Wohin führen die Meilentörns auf der Ostsee (Teil 1)?

Ahoi und Willkommen an Bord…

Zur Vorbereitung der Segelsaison 2022 hat es mich in der letzten Märzwoche an die Ostsee geführt, um mögliche Zielhäfen und die Situation vor Ort schon einmal anzuschauen. Ich weiß, zu dieser Zeit ist es noch richtig ungemütlich dort und der kalte Wind erzeugt das Gefühl von Minusgraden. Aber allein der Anblick der See mit den Stränden und den schönen Marinas wärmt das Herz! Ok, ich gebe zu, ich bin ein Ostsee-Fan.

Speziell für den Juli-Törn ab Warnemünde habe ich die Häfen westlich von Rostock angeschaut, für den Fall, dass die Windsituation uns nicht in Richtung Rügen oder Dänemark führen wird.

Der Start ist in Rostock-Warnemünde in der nahezu perfekten Marina „Hohe Düne“, ein echtes Luxus-Resort mit tollen Sanitär- und Verpflegungsmöglichkeiten und rund 950 Liegeplätzen. Von hier aus gibt es eine Vielzahl an Routen: östlich. süd-westlich, nord-östlich Richtung Dänemark.

Ein möglicher kurzer Schlag führt nach Kühlungsborn, in ein altes Seebad mit einem neuen Hafen, alles tipp-topp. Einzig die Anfahrt kann je nach Wind wegen der starken Strömung kritisch sein und setzt eine genaue Planung der Anfahrt voraus. Aber sonst ist es ein lohnendes Ziel mit modernen, sauberen Sanitäranlagen, guten Restaurants und einem schicken Ort, ca. 15 Minuten zu Fuß entfernt. Ein persönlicher Geheimtipp noch an dieser Stelle: am Leuchtturm Bastorf, etwas oberhalb von Kühlungsborn, hat man nicht nur eine herrliche Aussicht, sondern es gibt dort auch ein phantastisches Sanddorn-Eis. Natürlich musste ich das trotz kalten 5°C und 5 Windstärken unbedingt probieren und kann es nur empfehlen!

Wer weiter Richtung Westen unterwegs sein will, kann zu echten Geheimtipps in die Wismar-Bucht fahren. Doch aufpassen, diese ist sehr flach und ist sehr anspruchsvoll, was die Navigation anbelangt. Ankern ist hier meist wegen des Naturschutzgebiets nicht erlaubt (Ranger sind sofort da und verteilen rote Karten 😊). Daher kann ich z.B. Timmendorf auf der Insel Poel mit einem kleinen aber modernen Hafen empfehlen. Bei Tag gut anzusteuern mit Mitte-Fahrwassertonne und markantem Leuchtturm. Alternativ kann auch zu dem kleinen Inselhafen Kirchdorf gefahren werden. Die Anfahrt ist wegen der sehr schmalen Fahrrinne und dem schnell flach werdenden Wasser nicht einfach, hier muss genau gesteuert werden. Der wirklich idyllisch gelegene Hafen inmitten von Schilffeldern und grünen Hügeln ist ein Geheimtipp mit kleinen Fischrestaurants oder -buden, in denen leckere Fischbrötchen oder Backfisch gegessen werden kann. Im Hafen selbst empfiehlt sich, nicht die Stege des „Forellenhofs“ wegen der geringen Wassertiefe anzulaufen. Bei Ostwind fehlt hier schnell die Tiefe für Segelboote. Ein Zufall war auch, dass Anna und Malin, zwei Aussteigerinnen mit ihrem Segelboot ebenfalls hier waren und einen Stopp zum Aufwärmen und Vorräte bunkern gemacht haben. Vielleicht kennt ihr ja deren Videos und Blogs (www.annaundmalin.de). Schaut einfach mal rein.

In der Wismarbucht denkt verständlicherweise jeder an die tolle Hanse- und Weltkulturerbe-Stadt Wismar. Diese schöne Stadt mit ihren tollen Gebäuden und Sehenswürdigkeiten ist in der Tat eine eigene Reise wert. Ich finde aber die Häfen in Wismar nicht schön, sehr Industrie-lastig, unterdurchschnittliche Sanitärsituation, wenige Liegeplätze etc.

Daher bin ich lieber in die Marina Boltenhagen gefahren und habe Wismar mit dem Auto besucht. Die Marina Boltenhagen ist eine moderne, sehr gut ausgestattete Marina direkt neben dem gleichnamigen Ostseebad und dem langen Strand. Wer es weniger luxuriös mag, der kann etwas südlicher in der Marina „Hohen Wieschendorf“ anlegen. Achtung, die Anfahrt ist – typisch für die Wismarbucht – wieder trickreich wegen des flachen Reviers. Die Anfahrt erfolgt entlang von Spierenpaaren, die nicht zu eng passiert werden dürfen, also schön in der Mitte halten. Im Hafen selbst gibt es einen sehr langen Gaststeg, an dem längsseits angelegt werden muss – auch gut fürs Training – und ein gutes Restaurant „Little Italy“.

Weiter geht die Fahrt nach Travemünde. Eine größere Hafenstadt mit vielen kleinen Häfen bzw. Anlegestellen, entweder Stadt-nah zu den vielen Restaurants und Geschäften oder im neuen, tollen Passat-Hafen, in dem auch der P-Liner „Passat“ festgemacht ist. Wie immer besteht die Qual der Wahl, auch weil je nach Windrichtung nicht jede Anlegemöglichkeit gleich gut geschützt ist und zudem die großen Fähren von und nach Skandinavien ebenfalls die Einfahrt in die Trave zum Skandinavienkai nehmen. Aber verlasst euch hier einfach auf den Skipper, der diese Region sehr gut kennt – auch Travemünde.

Weiter geht es demnächst im Teil 2 des Blogs Richtung Norden. Lasst euch überraschen.

Wenn ihr dieses Revier einmal selbst und ohne Stress erleben wollt, dann könnt ihr einen Platz bei einem solchen Törn buchen, z.B. im Juli. Schaut einfach unter https://meine-bootsschule.de/kurse/ nach. Der „Mittsommer-Törn“ von Flensburg nach Dänemark in die Dänische Südsee und zurück ist leider schon ausgebucht. Aber wenn die Nachfrage besteht ist schnell ein zusätzlicher Törn geplant.

Soweit vom ersten Revierreport. Die Häfen waren alle leer. So konnte ich die wahren Gesichter der möglichen Ziele erkennen. Einige Ziele werde ich bei meinen privaten Reisen sicher wieder ansteuern, nur dann bei wärmerem Wetter.

Euer Skipper Klaus Dirk